1. Oktober 2022
Existenzgründung in der ambulanten Pflege erfolgreich möglich?

Ist eine Existenzgründung in der ambulanten Pflege finanziell sinnvoll?

Ist eine Existenzgründung in der ambulanten Pflege finanziell sinnvoll?

Sie brennen für Ihren Job als ausgebildete Pflegekraft, haben sich bis zur Pflegedienstleitung hochgearbeitet, und möchten sich nun der nächsten Herausforderung stellen? Sie sind von der beruflichen Selbstständigkeit keineswegs abgeneigt und möchten Verantwortung übernehmen? Wie wäre es mit der Gründung Ihres eigenen ambulanten Pflegedienstes?

Doch inwiefern rentiert sich das Gründen eines ambulanten Pflegedienstes im Hinblick auf das eigene Vermögen wirklich?

Genau dieser Frage geht es auf den Grund zu gehen, da der Schritt zur Selbstständigkeit viele Risiken mit sich bringt, denen man sich im Vorhinein bewusst sein sollte. Die Finanzierung stellt wohl die wichtigste Voraussetzung für die Gründung Ihres Unternehmens dar.

Gründungskosten und fortlaufende Kosten als Existenzgründer:in

Grundsätzlich wird zwischen Gründungskosten, hierbei handelt es sich um alles, was man vor der eigentlichen Gründung ausgibt, und laufenden Kosten differenziert. All diese Kosten sollten Sie im Vorfeld im Rahmen eines Businessplans großzügig einkalkulieren, um die Versorgung Ihrer pflegebedürftigen Patient:innen sicherzustellen.

Welche Gründungskosten fallen konkret an?

Anmeldegebühren

Wenn man einen Pflegedienst gründen möchte, muss dieser auch ordnungsgemäß angemeldet werden. Prinzipiell gilt: Jede planmäßige, auf Dauer angelegte, selbstständige Tätigkeit stellt ein Gewerbe dar. Schließlich verfolgen Sie die Intention, mit der ambulanten Pflege, langfristig Gewinn zu erzielen. Dafür ist eine Gewerbeanmeldung bei Ihrem örtlichen Gewerbe- oder Ordnungsamt notwendig. Wenn Sie aus einer kleineren Kommune stammen, ist die Gewerbemeldestelle häufig beim Rathaus aufzufinden. Mit erfolgreicher Anmeldung Ihres ambulanten Pflegedienstes bekommen Sie einen Gewerbeschein ausgehändigt und sind von da an im Register mit Ihrem Gewerbe eingetragen.

Wichtig: Für Pflegeberufe ist eine eigene Genehmigung, auch Konzession im Fachjargon genannt, oder eine spezielle behördliche Erlaubnis zwingend erforderlich. Genauere Informationen gibt es bei den örtlichen Gewerbeämtern oder den Unternehmen, die sich auf die Existenzgründung spezialisiert haben.

Was kostet im Durchschnitt eine Gewerbeanmeldung?

Allgemein kann man sagen, dass die Kosten für eine Gewerbeanmeldung je nach Gemeinde stark variieren können. Die Preisspanne liegt hier in etwa bei 10–65 €. Dazu können noch weitere Gebühren anfallen, wenn man für die Anmeldung zusätzliche Dokumente, wie beispielsweise ein polizeiliches Führungszeugnis, benötigt.

Tipp: Eröffnen Sie mit Erhalt Ihres Gewerbescheins direkt ein Geschäftskonto. Dieses gebrauchen Sie ausschließlich für unternehmerische Zwecke. So können Sie Privates und Berufliches strikt voneinander trennen.

Kosten für Beratung

Man kann sich über bestimmte Berufsverbände zur Existenzgründung beraten lassen. Die Tätigkeiten der Verbände sind allerdings mit monatlichen Kosten verbunden, die ebenfalls berücksichtigt werden sollten. Ein Abonnement beginnt bei circa 90 Euro. Es ist sinnvoll, solch eine Beratung in Anspruch zu nehmen, da man dort das nötige kaufmännische Know-how mit auf den Weg bekommt.

Fahrzeugflotte

Was ist charakteristisch für einen ambulanten Pflegedienst? Richtig, seine kleinen Flitzer, mit denen das Pflegepersonal zu den Patient:innen fahren kann, um diese zu versorgen. Demnach müssen Sie die Kosten für die Dienstwagen in Ihren Businessplan unbedingt einplanen. Die meisten Pflegedienste haben in der Regel Kleinwagen, da sie weder in der Anschaffung noch im Unterhalt sonderlich viel kosten. Doch der Trend zum E-Auto nimmt immer mehr zu. Aber warum genau, schließlich ist man als ambulanter Pflegedienst viel unterwegs. Rentiert sich das überhaupt? Man ist zwar viel unterwegs, allerdings werden weniger Kilometer am Stück zurückgelegt. Das liegt daran, dass sich in der Regel zwei bis drei Mitarbeiter:innen aufgrund der wechselnden Schichten ein Auto teilen. Zudem liegen die Patient:innen nie weit auseinander, weshalb man hochgerechnet nicht über 80 Kilometer am Tag kommt.

Was für die Anschaffung eines E-Autos spricht:

  • Reduktion der Emissionen zugunsten der Umwelt 
  • Staat fördert die Anschaffung von E-Autos 
  • tägliche Fahrkilometer eines ambulanten Pflegedienstes sind ideal dafür

Was gegen die Anschaffung eines E-Autos spricht:

  • E-Autos haben lange Ladezeiten, was einen in der Mobilität beeinträchtigen kann
  • Sie haben im Vergleich zu herkömmlichen Autos wesentlich höhere Anschaffungskosten
  • Aktuell ist der Strompreis viel zu teuer

Der bad e.V. aus Essen hat sich die Frage nach günstigen Sprit-Preisen bereits hier gestellt.

Kaution und Maklergebühren

Auch wenn der ambulante Pflegedienst hauptsächlich auf vier Rädern unterwegs ist, wird eine Niederlassung benötigt. Die Suche nach den passenden Räumlichkeiten ist gar nicht mal so einfach. Um sich also Zeit und Nerven zu sparen, ist es ratsam, jemanden vom Fach zu engagieren. Das bedeutet aber auch, dass Maklergebühren anfallen.

Möbel und elektronische Ausstattung

Natürlich möchte man die Firma nach seinem eigenen Geschmack einrichten. Je nachdem, wie dieser ist, kann das Einrichten des Büros recht kostspielig werden. Zudem muss der Pflegedienst mit sämtlichen elektronischen Geräten ausgestattet werden. Angefangen von Computern bis hin zur Kaffeemaschine.

Anschaffungskosten für Arbeitskleidung und Co

Generell ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, seinem Personal Arbeitskleidung zur Verfügung zu stellen. Darunter fallen insbesondere Einmalhandschuhe. Ihren Mitarbeiter.innen soll es schließlich möglich sein, fachgerecht arbeiten zu können.

Welche laufenden Kosten habe ich?

Die laufenden Kosten beginnen mit der Gründung Ihres Pflegedienstes, da Sie das Personal, die Miete und die Versicherungen schon im Voraus bezahlen müssen. Schließlich wird von Ihnen erwartet, dass Sie pünktlich das Geld überweisen. Aber wie soll das funktionieren, wenn man noch keine Einnahmen erzielen konnte? Diese Ungewissheit schreckt viele ab, weshalb es wichtig ist, Rücklagen einzuplanen, auf die man zur Überbrückung zurückgreifen kann. In der Regel hat man einen Überbrückungszeitraum von drei Monaten, in denen keine Umsätze generiert werden. Der Kundenstamm muss zunächst aufgebaut werden. Es lässt sich also nicht vermeiden, vorzufinanzieren.

Es fallen folgende Kosten an:

  • Gehälter und weitere Personalkosten darunter fallen Weiterbildungen und die Gesundheitsvorsorge
  • Umbau und Einrichtung der Räumlichkeiten
  • Miete zuzüglich Nebenkosten
  • Kosten für die Fahrzeuge, dazuzählen Sprit, Steuern, Wartung und Versicherung
  • Marketing

Finanzielle Unterstützung

Sie verfügen nicht über die nötigen finanziellen Mittel? Ist der Traum vom eigenen Pflegedienst somit geplatzt? Die Antwort lautet: Nein. Nur die Wenigsten verfügen über ein so hohes Eigenkapital. Die meisten Gründer:innen setzen demnach auf eine Mischfinanzierung, die sich aus Ersparnissen, Krediten und öffentlichen Förderungen zusammensetzt.

Ein starker Partner an der Seite schadet hier sicherlich nicht. Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. aus Essen hat ein Programm zur Existenzgründung ins Leben gerufen. Weitere Informationen und Kontakt gibt es hier direkt auf der Website des Bundesverbands.

Der ERP-Gründerkredit gehört zu einer der beliebtesten Fördermöglichkeit. Doch was genau ist das? Hierbei handelt es sich um ein Startgeld der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Weitere Anlaufstellen, bei denen Sie sich vorstellig machen können:

  • Pflegekassen
  • Fach- und Branchenverbände
  • Agentur für Arbeit

Wie rechne ich meine Leistungen ab?

Die Kosten, die mit den angebotenen Leistungen Ihres Pflegedienstes anfallen, werden zum Großteil von den Pflegekassen übernommen. Damit die Kosten jedoch übernommen werden, benötigen Sie eine förmliche Zulassung, welche Sie nur unter bestimmten Voraussetzungen erhalten.

  1. Sie, die Leitung des Pflegedienstes, müssen Ihre fachliche Qualifikation nachweisen können.
  2. Sie müssen garantieren, dass Ihre Patient:innen zu jedem Zeitpunkt von Ihrem Pflegedienst gut versorgt werden. Diese Gewährleistung gilt auch für Wochenenden oder dann, wenn Mitarbeiter:innen erkrankt oder im Urlaub sind.

Wichtig: Im Sozialgesetzbuch (SGB XI) wird zwischen der häuslichen Krankenpflege und der ambulanten Pflege unterschieden. Ersteres ist befristet und wird ärztlich verschrieben.

Fazit

Die Anzahl anderer ambulanter Pflegeeinrichtungen ist nicht allzu hoch. Sich in der Pflege selbstständig zu machen, ist daher gar kein schlechter Grundgedanke. Allerdings muss man sich dessen bewusst sein, dass weitere Themengebiete, die bislang in Ihrem Job keine Rolle gespielt haben, mit der Gründung Ihres eigenen Pflegedienstes auf Sie zukommen werden. Es wäre daher von Vorteil, wenn Sie sich für kaufmännische Tätigkeiten interessieren. Als Pflegedienst erhalten Sie finanzielle Unterstützung von den verschiedenen Krankenkassen, wenn es um die Leistungen der Krankenpflege geht. Bedeutet, Sie müssen nicht alles aus eigener Tasche bezahlen und können sich mit Ihrem eigenen Pflegedienst finanziell unabhängig machen.

Unsere Freunde von MediTipps haben das Thema ebenfalls hier aufgegriffen.

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