Führung 4.0 braucht neues Rollenverständnis

Nico Zinndorf

Mit den Herausforderungen der Digitalisierung und Automatisierung verändern sich auch die Anforderungen an die Führungsebene. Um der zunehmenden Geschwindigkeit der globalisierten Märkte gerecht zu werden, sollen Führungskräfte auf Veränderungen flexibel und betriebswirtschaftlich reagieren. Das liest sich gut und klingt einleuchtend, doch was sollen Führungskräfte konkret tun, wenn ihr Kerngeschäft die Produktion und Logistik in der Wertschöpfung ist? Sollen sie ein Zweitstudium im Internet der Dinge absolvieren oder ist es wichtiger, das Unternehmen und die Mitarbeiter sicher durch das 4.0-Fahrwasser zu lenken? Diese Fragen stellte ich dem Unternehmensberater Nico Zinndorf, der mir erklärte, ab welchem Zeitpunkt es für eine Führungskraft besser sein könnte, Experten mit an Bord zu nehmen.

Folgende Szenarien begegnen dem Berater in seiner täglichen Beratungspraxis immer wieder: Ein Eigentümer, der in der Aufbauphase der hauptsächliche Ideengeber und Initiator für Dienstleitungen und Produkte war, kommt ab einer gewissen Größenordnung des Unternehmens an seine natürlichen Grenzen. Er oder eine Einzelperson in seinem Unternehmen sind ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr Lage, alle Prozesse bis ins Detail zu beherrschen mit dem Ergebnis, dass die internen Abläufe nicht mehr an die sich ständig verändernden Anforderungen des Marktes angepasst werden können.

Das trifft nach Einschätzung Nico Zinndorfs auf viele Branchen zu. Für Logistikunternehmen mit ihren komplexen Strukturen gilt dies sogar in besonderem Maße. Diesen Inhabern oder Geschäftsführern rät er, sich in ein neues Rollenbild hineinzudenken: dem des Unternehmenslenkers. Für den Geschäftsalltag bedeutet dies ganz praktisch, operative Verantwortung abzugeben und sich auf strategische Entscheidungen zu konzentrieren. Dadurch kommt der Führungspersönlichkeit eine größere Verantwortung als Coach und Teamkoordinator zu, der Ziele definiert, die Umsetzung kritisch begleitet und Ergebnisse einfordert.

Lieferketten müssen laufen wie geschmiert

Immer wichtiger werden Anpassungen an die Kernwertschöpfungsprozesse, mit dem Ziel, schlanke, kostengünstige und kundenorientierte Supply Chains zu implementieren. Dabei spielen die Mitarbeiter, die bei allen Change-Prozessen mit einzubinden sind, eine Schlüsselrolle. Denn sie entwickeln sich bei digitalen Transformationsprozessen weiter. Sie werden von Logistikmitarbeitern zu Steuerungsexperten für organisatorische Zusammenhänge und Arbeitsabläufe.

Um diese Prozesse in einem Unternehmen auf den Weg zu bringen, ist Unterstützung von Außen in der Übergangsphase hilfreich. In einem zeitlich festgelegten Rahmen lassen sich unter Anleitung von Experten Lieferketten und Prozesse schnell und effektiv implementieren. Und die Führungskraft behält als Unternehmenslenker die Zügel in der Hand und kann sich strategischen Entscheidungen widmen, die das Unternehmen weiter nach vorne bringen.