Worauf kommt es bei einer Unternehmensfinanzierung an?

Erfolgreiche Unternehmensfinanzierung
Gastbeitrag

Der Begriff Unternehmensfinanzierung ist mächtig, denn es umfasst öffentliche Darlehen (z.B. KfW), Leasing, Factoring, Finetrading, Venture Capital, Mezzanine Kapital uvm.

Die Mythen um das Thema Firmenkredite und Unternehmensfinanzierung sind um ein Vielfaches sogar höher. Wer kennt nicht, diese Sprüche wie „Deutschland ist kein Unternehmerland“; „Deutschland fördert keine Startups“. Aber ist das wirklich so?

Betrachtet man exemplarisch die Statistik der Bürgschaftsbank NRW aus dem Jahr 2020, in anderen Bundesländern wird es ähnlich aussehen, dann ist eine erste Tendenz zu erkennen.

Die Bürgschaftsbank hat im Jahr 2020 nahezu alle Vorhaben finanziert, die es geschafft haben, ordentliche und vollständige Unterlagen einzureichen.

Nach dieser Aussage muss man demnach annehmen, dass die Ursache häufig bei den Unternehmen liegt.

Die HEMMELMANN CONSULTING, eine hochspezialisierte Unternehmensberatung zu dem Thema Unternehmensfinanzierung, hat sich dieses Thema etwas näher angeschaut und den Markt beobachtet. Hierbei sind Daten aus den eigenen Social Media Gruppen (Facebook: Unternehmensfinanzierung / Firmenkredite: Gründer, Startups und Geschäftsideen; LinkedIn: Gründer, Startups und Geschäftsideen), sowie aus anderen Unternehmergruppen, persönliche Befragungen und der Dialog mit Kapitalgebern ausgewertet worden.

Auch in dieser Analyse kam die HEMMELMANN CONSULTING zu der Tendenz, die auch die NRW Bürgschaftsbank bereits deutlich kommuniziert hat.

Bekräftigt wird diese Annahme durch den Crowdfundingsektor. Viele Unternehmen schalten Crowdfundingkampagnen, denn angeblich verstehen die Banken die Geschäftsmodelle nicht bzw. scheuen das Risiko. Aus dem Bericht des Bundesverbands Crowdfunding ist zu entnehmen, dass die realisierten Finanzierungsrunden im Bereich Unternehmensfinanzierung sehr gering sind. Die Kapitalsuchenden scheitern somit auch außerhalb des Bankensektors überdurchschnittlich hoch.

Es liegt folglich der Verdacht nahe, den Fehler beim Kapitalsuchenden zu suchen.

Wie kann ich meine Finanzierungschancen deutlich erhöhen?

Im Rahmen der Unternehmensfinanzierung bewertet die Bank den aktuellen Zustand, sowie die Prognosen für die kommenden Monate / Jahre. Aufgrund dieser Datenlage ermittelt die Bank eine Eintrittswahrscheinlichkeit und eine Risikoklasse, welches zu einer Kreditentscheidung führt. Genau hier ist der Unterschied zu einer Baufinanzierung, denn bei einer Baufinanzierung wird verstärkt auf die Vergangenheit geschaut und keinerlei Eventualitäten in der Zukunft eingeplant.

Zur Bewertung eines Geschäftsmodells bedarf es folglich die Vorstellung des Vorhabens. Ob man einen Businessplan gut oder schlecht findet, spielt keine Rolle. Die Bank kann mit Hilfe eines Businessplans das Geschäftsmodell besser verstehen und somit erhöhen sich auch die Chancen für das Unternehmen.

„Eine Braut geht nicht ungeschminkt zur Hochzeit, warum geht ein Unternehmen ungeschminkt zur Bank?“
Markus Hemmelmann, Inhaber HEMMELMANN CONSULTING

Bei der Finanzplanung ist ein Planzeitraum von 36 Monaten zu betrachten. Hierbei sollte man seine Planungen jederzeit begründen können. Im Handwerksbereich kann es zum Beispiel Anzahl der Stunden * Stundenverrechnungssatz = max. Umsatz bei Volllast sein. Eine Volllast anzunehmen, macht jedoch keinen Sinn, denn es werden immer Überraschungen auf einen Unternehmer zukommen. Eine max. Auslastung von 85% ist folglich zu empfehlen. Zu diesen Umsätzen sind die Materialumsätze inkl. Aufschlag zu addieren. Diese Umsätze sind hervorragend aus den vergangenheitsbezogenen Daten zu ermitteln. Ebenso lassen sich Personal, Werbung, etc. aus den vergangenheitsbezogenen Daten herleiten und mit Aufschlägen versehen.

Sollte man komplett neu gründen und keinerlei Daten haben, dann macht es Sinn, seine Annahmen mit Angeboten zu untermauern.

Im Anschluss sollten die Plandaten mit den Branchendaten verglichen werden, ob es zu größeren Abweichungen kommt. Wenn Abweichungen zu erkennen sind, dann sind diese im Textteil des Businessplans zu erläutern. Gute Argumente sind die beste Werbung für die Unternehmensfinanzierung.

Zum Abschluss der Finanzplanung ist die Kapitaldienstfähigkeit und deren Auslastungsquote zu ermitteln. Vereinfacht ausgedrückt darf der Zins und die Tilgung nur max. 70% des Jahresgewinns ausmachen.

Beispiel: Einzelunternehmen erwirtschaftet einen Gewinn von 100 TEUR; die Privatentnahmen liegen bei 70 TEUR, so dass 30 TEUR der freie Kapitaldienst ist. Hiervon darf das Unternehmen mit der angestrebten Finanzierung max. 70% in Anspruch nehmen, sprich 21 TEUR. Optimal ist eine Auslastung von weniger als 50%.

Die richtige Bank für das Unternehmen finden

Nachdem die bankenüblichen Unterlagen fertiggestellt sind, stellt sich die Frage, wer finanziert. Niemand geht in einen Burgerladen, wenn er eine Pizza wünscht. So ist es auch mit den Kapitalgebern. Die Banken und auch die Venture Capital Geber haben ein klares Profil, dieses ist bei der Anfrage zu beachten.

So wird nahezu immer die Postbank oder die Commerzbank eine klassische Existenzgründung ablehnen. Die Commerzbank bevorzugt Unternehmen, die bereits zwei Jahresabschlüsse vorlegen können. Erster Ansprechpartner sollte auch die Hausbank sein, denn diese ermittelt aufgrund der Kontobewegungen eine vereinfachtes Ratingverfahren. Bei einer neuen Bank bekommt man stets ein mittelmäßiges Rating.

Die vollständigen Unterlagen sind anschließend an die Firmenkundenabteilung der Bank zu senden. Wenn keine Kontaktdaten vorliegen, einfach die Bank anrufen und danach fragen.

Die 6 Bewertungskriterien der Banken

Banken bewerten bei der Sichtung folgende Punkte:

  1. Ist der Interessent Kunde bei der Bank? Wenn ja, wie ist die interne Ratingnote; wenn nein, warum fragt er nicht seine Hausbank an.
  2. Ist das Geschäftsmodell schlüssig? Am Markt etabliert? Wie wahrscheinlich ist der Eintritt des Planszenarios
  3. Hat der Interessent alle Risiken berücksichtigt?
  4. Wie sind Abhängigkeiten berücksichtigt worden?
  5. Wie ist der Markttrend?
  6. Ist die Kapitaldienstfähigkeit bereits heute oder erst nach der Investition gegeben? Wenn nachher, wie wahrscheinlich ist der Eintritt des Planszenarios

Sollten diese Punkte positiv bewertet werden, dann lädt die Bank in der Regel zu einem persönlichen Gespräch ein. In diesem Gespräch möchte sich der Banker einen Überblick von dem Unternehmer machen, sprich hat er schlüssige Argumente für sein Vorhaben.

Im Gegensatz zu einer klassischen Bankfinanzierung bevorzugen viele Unternehmen private Geldgeber. Investoren prüfen in der Regel deutlich härter und lassen die due dilligence von Rechtsanwälten, Steuer- und Unternehmensberatern etc. durchführen, was wiederum einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet. Die Prüfungsansätze sind dort insbesondere die Abhängigkeiten und die Skalierbarkeit. Investoren suchen Anteile und möchten diese nicht verzinst haben, sondern durch Skalierung um ein x-faches im Wert steigern. Im Bereich der Startup Szene spricht man davon, dass von 10 Deals nur einer positiv endet und dieser muss die anderen 9 zzgl. Kosten der VC Gesellschaft und Gewinn erwirtschaften.

Die Suche nach einem Privatinvestor klingt für viele erstmal einfach, aber es ist knallharte Arbeit, dauert enorm lange und benötigt zudem ein hervorragendes Netzwerk.

7 Tipps für eine erfolgreiche Unternehmensfinanzierung

Um auch Ihre Unternehmensfinanzierung erfolgreich zu gestalten, sollten Sie daher folgende Tipps berücksichtigen:

  1. Beschreibung Sie ihr Vorhaben detailliert und realistisch
  2. Erstellen Sie eine professionelle Finanzplanung mit Hilfe von Branchenkennzahlen, Angeboten und vergangenheitsbezogenen Werten
  3. Die Bank verlangt kein 100% sicheres Geschäft, sondern eine realistische Einschätzung. Kommuniziere Sie, dass Ihr Business zu 100% sicher ist, haben Sie sich bereits disqualifiziert.
  4. Wählen Sie die richtige Bank. Eine kleine Sparkasse hat mit einem 10 Mio. Darlehen mehr zu kämpfen, als eine Commerzbank. Eine Commerzbank kann aber kein 40 TEUR Existenzgründerdarlehen.
  5. Bereiten Sie sich gut auf das persönliche Gespräch vor. Ihre Expertise ist gefragt! Haben Sie keine Ausbildung in dem Bereich, dann sollten Sie in dem Textteil darauf eingehen und Argumente liefern, was Sie zu dem Business befähigt.
  6. Üben Sie keinen Zeitdruck aus. Wer Druck macht, hat meistens selbst Druck und das ist keine gute Basis für eine neue Geschäftsbeziehung
  7. Fahren Sie niemals eingleisig, eine Ablehnung kann durchaus auch bankeninterne Gründe haben.

Über den Autor
Die HEMMELMANN CONSULTING berät Kunden aus ganz Europa zu dem Thema Unternehmensfinanzierung. Das große Netzwerk an Kapitalgebern und die Zusammenarbeit mit drei großen Investorengesellschaften ermöglichen es, den Kunden die bestmögliche Ausgangsposition zu verschaffen. Fragen werden gerne in den eigenen Social Media Kanälen beantwortet; näheres hierzu auf www.hemmelmann-consulting.com

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