Meine Erfahrungen mit der LinkedIn-Kaltakquise

Kaltakquise

Am Anfang behandelte dieser Artikel den Auftritt eines Unternehmens, aber nun geht er allgemein über die schlecht Kaltakquise auf LinkedIn.

Ich kritisiere häufig, dass sich niemand traut die Geschäftsmodelle vieler LinkedIn-Großkotze öffentlich an den Pranger zu stellen. Nun beginne ich selbst damit, aber natürlich beschreibe ich hier nur sachlich meine Erfahrungen mit einer GmbH. Wir dürfen überall Rezensionen und Bewertungen schreiben, aber in dem eigenen Blog liegt die Besonderheit, dass es hier schwieriger wird, diese zu löschen. Im Nachgang habe ich nach einigen Monaten den Namen der Firma doch wieder aus dem Artikel entfernt, da trotz der vielen Zugriffe sich nichts geändert hat. Zwar bin ich mir sehr sicher, dass mir rechtlich nichts passieren kann, aber irgendwie bin ich durch die hohen Teilnehmerzahlen in den Clubhouse-Räumen, in denen Menschen von so einem Kaliber ihren Quatsch verzapfen, wirklich desillusioniert. Mehr als 600 Leute tummelten sich gerade in einem Raum von ähnlichen Abzockern. Anstatt jemand mal anmerkt, dass die Moderatoren sich ständig selbst demaskieren, weil sie mit der Live-Situation nicht umgehen können, werden es ständig mehr in diesem Raum.

Das schlechte Kaltakquise bei LinkedIn

Sorry Jungs, aber ihr habt euch nicht an die Abmachung gehalten. Nachdem mich ein Mitarbeiter einer Kaltakquise-Firma bereits erfolglos bei LinkedIn angesprochen hatte, rief heute ein weiterer oder gar der gleiche Mitarbeiter bei mir in der Agentur an. Da ich bereits bei LinkedIn deutlich gemacht habe, dass ich von der diesem Unternehmen nicht mehr kontaktiert werden möchte, habt ihr auch ein wenig meinen Datenschutz verletzt. Da kann ich mich auch irren. Auf den Hinweis, dass ich bereits in Kontakt mit euch stand, wurde verdutzt reagiert. Wenn schon Kaltakquise, dann doch bitte mit Struktur und Ordnung. Ich bin im Internet jetzt nicht gerade unsichtbar und stehe beinahe immer mit meiner Agentur in Verbindung. Die Daten zu meiner Person und meiner Agentur befinden sich übrigens im Impressum.  Nun aber zu dem Angebot.

Ähnlich wie auf dem LinkedIn-Profil des Geschäftsführers angekündigt, werden mir direkt im zweiten Satz fünf- bis sechsstellige Monatsumsätze in Aussicht gestellt. Im ersten Satz wurden noch typische Akquise-Methoden angewendet. Mir wurde mit folgender Begrüßung versucht zu schmeicheln, aber es kam eher Ekel in mir hoch:

„Bin ich richtig beim charismatischsten und besten Agentur-Inhaber?“

Keine Ahnung, denn so würde ich mich niemals selbst bezeichnen. Wenn es andere über mich sagen, dann wird da schon was dran sein. Liebe Freunde der schlechten Kaltakquise, erst im letzten Monat wurde ich von einer Journalistin kontaktiert, die meine Unterstützung zu eurem Geschäftsmodell suchte. Diverse Blog-Artikel haben ihr gezeigt, dass ich wohl öfter mit diesen Versprechen in Berührung komme. Aktuell klage ich gegen einen Menschen, der in seinen Social Media-Kanälen in Dubai auf Yachten den Champagner schlürft, aber nächste Woche den Gerichtsvollzieher reinlassen muss, da sonst seine Tür aufgebrochen wird. Es geht um eine Restschuld in Höhe von 200 €.

Mein erster Kontakt

Warum war ich so abweisend zu euch? Bei eurem ersten Kontaktversuch suchte ich aus Langeweile auf Instagram nach eurem Unternehmen. Hier feierten sich die Mitarbeiter in den Instagram-Stories, dass in ihren Räumlichkeiten wieder ein High-Price-Closing stattgefunden hat. Ich hätte mich also selbst in den Videos finden können, wenn ich so blöd gewesen wäre, mir am Telefon etwas verkaufen zu lassen. Das müsst ihr euch mal vorstellen. Auf LinkedIn werden die Trottel gesucht, die auf diese Masche reinfallen und bei Instagram lachen die gleichen Menschen über eben diese Trottel. Wenn ihr doch angeblich Beratern, Coaches und Trainern zu mehr Umsatz verhelft, müssten dann nicht in euren Erfolgsgeschichten die Maßnahmen stehen, die dazu geführt haben. Jedoch feiert ihr nur einen Telefonabschluss eurer eigenen Mitarbeiter. Dies übrigens so euphorisch, dass hier sowas von deutlich nicht alles stimmen kann.

Das Geschäftsmodell der Kaltakquise

Ich spekuliere nur und kann es nicht zu 100 % sagen, aber wenn wir die Firma bei Google eingeben, dann finden wir zwei LinkedIn-Seiten. Eine LinkedIn-Seite des Unternehmens und ein LinkedIn-Profil des Geschäftsführers. Dazu finden wir noch eine Landingpage mit dem Ziel uns bei einem Strategiegespräch anzumelden. Es geht um fünf- und sechsstellige Umsätze pro Monat, aber das Unternehmen hat keine richtige Website? Eine klassische Website mit der Übersicht ihrer Leistungen, einem Bild mit allen Mitarbeitern und vor allem eine Auflistung mit erfolgreichen Referenzen. All das habe ich heute Abend, am 19.11.2020 nicht gefunden.

Auf der Seite wird von einem Geschäftsmodell gesprochen, welches komplett ohne Werbekosten und Online-Marketing auskommt. Dies ist schon schwer nachzuvollziehen, denn anscheinend liegt die Kompetenz der besagten Firma auch nicht im Webdesign und dann läuft doch alles auf ein einziges Modell hinaus: Die Kaltakquise über das Telefon! Er bezeichnet übrigens seine Technik als „Compound Effect“ und hier treffen wir auf ein weiteres Mysterium. Bei diesem Effekt handelt es sich übrigens um eine Überlegung, dass ein großes Ziel in vielen kleinen konstanten Schritten erreicht werden soll. Gleichzeitig schreiben die Menschen von der Alles-Versprechern auf Ihrer Website aber, dass deren Kunden bereits in den „ersten 4-6 Wochen“ mehrfach die gewünschten Umsätze in fünfstelliger Höhe generiert haben. Die versprochene Technik, die uns in einem kostenlosen Strategiegespräch beigebracht werden soll, widerspricht also den suggerierten Umsätzen.

Das Unternehmen nennt nur wenige Namen

Fast am Ende der Seite nennt das Unternehmen dann doch noch Namen. Das Unternehmen stützt sich nämlich selbst auf Mentoren, die dem Unternehmen die Strategien und Techniken beigebracht haben. In vielen Fällen besteht das Geschäftsmodell nämlich genau daraus. Selbsternannte Mentoren geben ihre Masche an andere Leute weiter, die dann die Masche ebenfalls versuchen weiter zu verkaufen. Ich habe darüber bereits hier berichtet und in dem Artikel ist auch eine aufschlussreiche Dokumentation über dieses Modell enthalten.

Wer dürfte mir denn alles über den Verkauf beibringen?

In den letzten Jahren gab es viele Unternehmen, die mit einer innovativen Idee durch die Decke gegangen sind. Wenn jemand ein Unternehmen aufgebaut hat und in kürzester Zeit ein neues Produkt in die ganze Welt verkauft hat, dann darf er sich gerne bei mir melden. Jedoch halte ich Abstand zu jungen Männern mit einer unmöglichen Umgangssprache, die vorgeben im Monat einen sechsstelligen Umsatz zu machen. Hier ist jedoch noch zu erwähnen, dass Umsatz nicht gleich Gewinn ist. Es ist einfach lustig, wenn unkoordinierte junge Menschen sich einfach auf vier Gleichgesinnte berufen und aus all diesen dubiosen Geschäftsmodellen ein angeblich neues Modell präsentieren. Jedoch gehen Sie den gleichen Weg wie all ihre verzweifelten Mitstreiter und so häufen sich derartige Kontaktanfragen auf LinkedIn oder wie heute Nachmittag am Telefon.

Update vom 20.11.2020

Ich habe dem Unternehmen heute noch ein paar Minuten geschenkt und habe Nachrichten auf LinkedIn herausgesucht. Ich bekam von dem Mitarbeiter damals mehrere Sprachnachrichten. In diesen sagte er mir, dass er nicht zu den High-Price-Closern gehören würde. Jetzt ratet mal, welche Titel die Videos seines Geschäftsführers bei YouTube haben? Wie wird in den Instagram-Stories die Verkäufe bezeichnet und gefeiert? Die mir vorliegenden und abgespeicherten Sprachnachrichten zeigen auf, dass in dem Gesprächsversuch auf LinkedIn mit ganz anderen Argumenten versucht wurde ein Strategiegespräch zu vereinbaren, als es das Unternehmen auf Instagram und YouTube kommuniziert.

Die Bewertung basiert einzig und allein auf die zwei aufdringlichen und arroganten Versuche aus dem Bereich der Kaltakquise.

Bildquelle: Pixabay-User AJEL

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